Österreicher pfeifen auf Kreditkarten

Wien/London - Die Kreditkarte erfreut sich in Österreich offenbar keiner allzu großen Beliebtheit. Laut einer aktuellen Studie der britischen Lafferty Group http://www.lafferty.com besitzt nur knapp jeder dritte Österreicher (32 Prozent) eine Kreditkarte. Damit verfügt die Alpenrepublik über eine der geringsten Verbreitungsraten in Westeuropa und liegt nur geringfügig über dem Niveau der Wachstumsmärkte Osteuropas.

In der Slowakei etwa besaßen im vergangenen Jahr 28 Prozent der Einwohner eine Kreditkarte. In Russland sollen es Ende des laufenden Jahres immerhin 26 Prozent sein. In Zukunft droht Österreich in punkto Kreditkartenverbreitung sogar hinter die osteuropäischen Länder zurückzufallen. Während in Russland und der Slowakei Wachstumsraten von 80 bzw. 30 Prozent erwartet werden, rechnen die Experten von Lafferty in Österreich mit Zuwächsen von lediglich sieben Prozent.

Die Studie ortet allerdings auch positive Aspekte für die Kreditkartenanbieter. Nicht zuletzt angeheizt durch die Werbekampagnen des EURO-2008-Sponsors MasterCard sollen die via Kreditkarte geleisteten Ausgaben bis 2008 auf 8,3 Mrd. Euro steigen. Das bedeutet ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2006. Allerdings nutzen die Österreicher die Kreditkarte vor allem für Bezahlvorgänge und weniger als Mittel zur Aufnahme eines Kredits. Um an Geld zu gelangen, greift der Österreicher eher auf private Bankkredite oder den Überziehungskredit zurück, so die Studienautoren. Hier seien die Zinsen deutlich niedriger.

“In dieser Umgebung ist es wenig überraschend, dass österreichische Banken sich beim Ausbau ihres Kreditkartengeschäfts eher nach Osten orientieren”, sagt Alison Smithie, Managerin von Laffertys World Cards Intelligence Database. Russland verbuche bei der Kreditaufnahme via Kreditkarte Zuwächse von mehr als 100 Prozent. Dennoch erwarten sich Anbieter auch in Österreich noch einiges Potenzial von der Kreditkarte. Europay Austria etwa will noch in diesem Herbst neben den bereits bestehenden MasterCard- und Maestro-Systemen auch Visa-Produkte für Privatkunden und Händler.

Auch Europay sieht allerdings die größten Zuwächse nicht im Kreditkartenbereich, sondern bei Maestro-Bankomatkarten. Hier habe sich die Zahl der Karten um 3,55 Prozent auf gut sieben Mio. Karten erhöht. Die Steigerungen seien auf den Trend zur Zweitkarte zurückzuführen. Den größten Aufschwung erlebte in Österreich aber der Quick-Service für kleine Geldbeträge. Im März ist laut Europay in diesem Bereich jede Sekunde eine Zahlung erfolgt. Trotzdem sieht das Unternehmen im Quick-Sektor noch Potenzial. “Die elektronische Geldbörse Quick wird in Österreich noch unterschätzt “, so Europay-Austria-Geschäftsführer Ewald Judt. (Redakteur: Jörn Brien)

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