Alpbach/Wien - Mit einer aktiven Adaption und Umsetzung des sogenannten “Flexicurity-Modells” könnte Österreich effizient auf die aktuellen Herausforderungen des globalisierten Arbeitsmarktes reagieren und zeitgleich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern. Zu diesem Schluss kommt die österreichische Industriellenvereinigung (IV) im Rahmen der heute, Mittwoch, gestarteten Alpbacher Wirtschaftsgespräche 2007. Demnach läge das Hauptaugenmerk auf der Erhaltung der größtmöglichen Flexibilität des Arbeitsmarktes bei einer produktiven Unterstützung von Arbeitnehmern, die Opfer dieser Flexibilität geworden sind.
In Anlehnung an die Erfolge der skandinavischen Länder - und hierbei vor allem Dänemark, das dieses Modell bereits umfassend umgesetzt hat - soll ein Höchstmaß an Beschäftigung gewährleistet werden, indem sich staatliche Investitionen langfristig gesehen auszahlen sollen. Im Detail entstünden zusätzliche Kosten durch gegebenenfalls höhere Arbeitslosenunterstützungen und eine aufwändigere, aktive Arbeitsmarktpolitik. Einsparungen hingegen sehen die Experten im Rahmen steigender Beschäftigungsraten für dauerhaft realisierbar. “Dieses Konzept ist ein theoretisches Konzept, das nicht neu ist. Der Ausgangspunkt dabei ist der, dass man Arbeitnehmern eine gewisse Sicherheit bietet (z.B. Kündigungsschutz), damit diese sich am Arbeitsmarkt flexibler verhalten”, heißt es seitens der Österreichischen Wirtschaftskammer http://www.wko.at
Kernvoraussetzungen für eine positive Beschäftigungsentwicklung in Österreich sowie der gesamten Europäischen Union sieht IV-Präsident Veit Sorger in einem kräftigen Wirtschaftswachstum sowie in mutig durchgeführten Strukturreformen, damit eine flexible Anpassung an die Herausforderungen der Globalisierungseffekte möglich wird. “Ich habe mit gewisser Besorgnis in den vergangenen Wochen festgestellt, dass die günstigere Wirtschaftslage anscheinend leichtsinnig macht und politische Zielsetzungen zunehmend über ökonomische Notwendigkeiten gestellt werden”, so Sorger. Erfolgreich abgeschlossene Reformen des Sozialsystems sollten daher nicht erneut “lustvoll diskutiert werden”.
Als weiteres Problem sehen die Fachleute die nur leicht angestiegene Frauenerwerbsquote, die in Österreich im Vergleich zum EU-Schnitt zwar gestiegen sei, es jedoch noch viel Nachholbedarf gäbe. Angesichts einer Beschäftigungsquote von 31,8 Prozent im Bereich der 55- bis 65-Jährigen sei nachvollziehbar, dass seitens der Industrie massiv gegen eine Verwässerung der kürzlich durchgeführten Pensionsreform aufgetreten werde, ist der IV-Generalsekretär Markus Beyrer überzeugt. Das Problem des Fachkräftemangels müsse daher schnell gelöst werden, da sonst Wachstum und Beschäftigung verloren gingen.
Das Lösungskonzept der IV beinhaltet vor dem Hintergrund der aktuellen Problemlagen eine sektorelle Arbeitsmarktöffnung bis spätestens 2009, den unbürokratischen Zugang zu den 880 genehmigten Schweißern, Drehern und Fräsern sowie die damit verbundene, weitere Einbeziehung weiterer Fachkräftekategorien. Zudem wird gefordert, dass Asylbewerber in Mangelberufen arbeiten dürfen. Auch sollten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der Industrie sowie Berufsqualifikationen in Zukunftsbranchen den Kern der Maßnahmen bilden. (Ende)
Redakteur: Florian Fügemann