Archive für 20.12.2007

Geldanlage: Investoren vertrauen zu oft auf Bauchgefühl

Wissenschaftliches Regelwerk räumt mit Irrglauben auf

Chemnitz - Anleger sollten vor dem Hintergrund der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ihr Handeln überdenken. Übereiltes, rein profitorientiertes Agieren bringt genauso wenig Vorteile wie beim Kauf von Finanzprodukten dem aktuellen Modetrend nachzueifern. Zu diesem Ergebnis kommt Friedrich Thießen, Inhaber der Professur Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz http://www.tu-chemnitz.de in seinem Regelwerk für eine effiziente Geldanlage. Obwohl viele Anleger zu einem gewissen Teil das Bauchgefühl entscheiden lassen, sollten diesem bestimmte Faustregeln zugrunde liegen.

„Der Hintergrund für die Aufstellung der Regeln ist nicht primär die Finanzkrise an den internationalen Märkten. Vielmehr haben sich die Anlage-Produkte in den vergangenen Jahren verändert und führten dazu, dass mittlerweile immer stärker auf das Bauchgefühl unerfahrener Investoren abgezielt wird”, sagt Thießen im Gespräch. So will der Fachmann mit seinem Regelwerk darauf hinweisen, dass auch Finanzprodukte nie davor gefeit sind, trendbezogen auf aktuelle Marktstimmungen getrimmt zu werden. Laut Thießen kämen Ökolux-Zertifikate immer dann auf den Markt, wenn in der öffentlichen Diskussion Ökologie-Themen dominieren. “Genauso boomen China-Fonds immer dann, wenn über Ostasien geredet wird”, unterstreicht der Finanzexperte. Überteuerte Kostennachteile seien somit stets Risiken für Anleger.

Zudem sollte nur dann ein Investmentprodukt in das Portfolio integriert werden, wenn es vom potenziellen Käufer vollständig verstanden wurde. “Unerfahrene Anleger müssen sich in der heutigen Zeit der schier unüberschaubar gewordenen Produktvielfalt mehr denn je genauestens informieren, da häufig versteckte Kosten und Risiken immer dort eingebaut sind, wo der Kunde erfahrungsgemäß nicht weiter recherchiert. Ein weiteres Problem liegt darin, dass sich die Masse der Anleger häufig wie Lemminge verhält und blindlings einer Welle nacheifert”, meint hingegen Jörg Urlaub, Alleinvorstand des Finanzdienstleisters Incam http://www.incam.de, auf Nachfrage von pressetext. Dem Vermögensverwalter zufolge seien langfristige Investments stets zielführend. Übereiltes Handeln sollte daher im Zweifel einer langfristigen Strategie mit geringen Renditen vorgezogen werden, argumentiert Thießen.

“Um wenigstens die durchschnittliche Marktrendite zu verdienen, dürfen Anleger nicht laufend kaufen und verkaufen, denn die Marktrendite wird vor Transaktionskosten berechnet”, unterstreicht Thießen gegenüber uns. Auch gibt der Lehrstuhlinhaber zu bedenken, dass viele Zertifikate mit Preisen oder Kursen um 100 Euro werben, Anleger jedoch allen angepriesenen Vorteilen zu leicht Glauben schenken. Oft kostet ein Produkt zwar 100 Euro, sei im Nachhinein aber nur 95 Euro wert. Ebenso aufmerksam sollten Anleger bei Produkten sein, die das Argument der Risikominderung in den Vordergrund stellen. So würden Verwaltungsgebühren der Fondsanbieter häufig den erzielten Gewinn auffressen.

Laut dem Experten verheddern sich Investoren aber auch viel zu oft in Produkten, die ihnen komplexe Strategien versprechen und nur selten eine Beteiligung am Marktwachstum bei zeitgleicher Kapitalsicherung realisieren. Thießen rät, dass sich Anleger ihre Ziele genau überlegen müssen, um dann die einfachsten Produkte wie Aktien, Anleihen oder Einlagen zu nutzen. Beachtet werden sollte zudem, dass Anleger bei Indexprodukten vorrangig auf bewährte Indizes wie Dow Jones, DAX, Stoxx oder Rex vertrauen sollten. Neue, unbekannte Indizes bergen laut Thießen und Urlaub immer die Gefahr einer Manipulation. Florian Fügemann

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