Archive für 15.4.2008

Panikattacken halten Finanzmärkte in Atem

Auch Zinssenkung kann Banken nicht beruhigen

Zürich - Obwohl die US-amerikanische Notenbank am Dienstag den Leitzinssatz von 3,0 auf 2,25 Prozent gesenkt hat, reißen die Panikattacken an den internationalen Finanzplätzen nicht ab. Auch wenn die Anleger den Handel daraufhin kurzfristig aufatmen ließen, brach der Dow Jones am Mittwoch erneut um 2,36 Prozent ein. Das positive Signal der amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers, die in ihren Zahlen entgegen den Erwartungen trotz Gewinn-Halbierung mit zwei blauen Augen davongekommen sind, scheint angesichts der jüngsten Meldungen von Großbanken bereits wieder verpufft. So kündigt die Credit Suisse im ersten Quartal Verluste an, die Investmentsparte der UBS ist Thema von Übernahmegerüchten und die Halifax Bank of Scotland muss wegen angeblicher Liquiditätsengpässe Kursverluste von bis zu 20 Prozent wegstecken.
„Marktgerüchte werden von unserer Seite prinzipiell nicht kommentiert”, heißt es von UBS-Sprecherin Sabine Woessner im Gespräch. Der Hauptbestandteil der UBS, die Investmentsparte, soll Medienberichten zufolge aufgrund des Krisendebakels von der Schweizer Konkurrentin Credit Suisse übernommen werden, was für Analysten unvorstellbar erscheint. Bei einem Kurs unter 30 Franken sei die UBS ein eindeutiges Übernahmeziel, heißt es in einem Handelsblatt-Bericht. Eine Akquisition des Investmentsektors käme einer Existenzbedrohung des Hauses gleich. Die Credit Suisse selbst hat heute, Donnerstag, eine düstere Prognose für das laufende Quartal gegeben und die Zahlen für das Geschäftsjahr 2007 nach unten korrigiert.

Angesichts der schwierigen Marktlage im März geht die Schweizer Großbank nicht davon aus, das Quartal mit einem Gewinn abzuschließen, sondern rechnet mit Verlusten. Wertminderungen in Höhe von 2,86 Mrd. Franken (rund 1,82 Mrd. Euro) seien dafür ausschlaggebend. Dennoch liegt die Credit Suisse mit einer Marktkapitalisierung von 57,9 Mrd. Franken erstmals über der Bewertung der UBS mit 50,1 Mrd. Franken.

Weitere Übernahmegerüchte am Bankensektor liefert die Halifax Bank of Scotland (HBOS). Angebliche Liquiditätsengpässe verursachten erneut Panik bei den Anlegern, worauf der HBOS-Kurs um bis zu 20 Prozent nachließ und andere Finanztitel nach unten zog. Nun soll das Institut von der Lloyd’s Bank übernommen werden.

Auslöser der Spannungen in der “Woche der Wahrheit” war die Not-Übernahme der US-Investmentbank Bear Stearns durch JPMorgan Chase. Die von der Finanzkrise bisher unbeeindruckte Deutsche Bank will Medienberichten zufolge seither auch bei den Bewegungen am Bankenmarkt mitmischen. Dementsprechend sei am Wochenende eine Angebotslegung des deutschen Instituts an das US-amerikanische Traditionshaus erfolgt. (Ende)
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